Das Prinzip Vollsolar


Die vollsolare Beheizung von (meist betrieblich genutzten) Gebäuden basiert auf den Erkenntnissen der Anlagenevaluierung und dem Auswerten von mehr als 40.000 Datensätzen aus dem Projekt "Verteilerzentrale EZA Fairer Handel GmbH" in Köstendorf. Die ausgewählten Projekte in all ihren unterschiedlichen Anforderungen, die wir hier vorstellen, dokumentieren die konsequente Weiterentwicklung der vollsolaren Heizung.

Die ausschließliche Beheizung von Gebäuden mit thermischer Solarenergie ist unumstößlich mit der Nutzung von Speichermassen verbunden. Als derzeit meistgenutztes Medium zum Speichern solarer Erträge wird Wasser in entsprechend groß dimensionierten Speichergefäßen verwendet. Trotz der Tatsache, dass dieses Speichermedium eine relativ hohe spezifische Speicherkapazität aufweist, ist es wirtschaftlich nicht möglich, die Energiemenge für sonnenarme Perioden in den Wintermonaten in diesem Medium zwischenzuspeichern.

Nahezu jedes in Österreich errichtete Gebäude weist erhebliche Speichermassen in verschiedensten Ausprägungen auf. Hervorzuheben sind insbesondere Boden- und Wandaufbauten mit einem hohen Anteil an Beton. Traditionell wurden diese Speichermassen nicht genutzt. Erst in den 1970er Jahren gibt es Hinweise auf die aktive Nutzung von Beton als Speichermasse. Ab diesem Zeitpunkt wurde dieses System vor allem in industriellen und gewerblichen Bauten interessant. Unter der Bezeichnung "Betonkernaktivierung" bzw. in näherer Vergangenheit "Bauteilaktivierung" zeigten sich die Kompatibilität der sog. trägen Masse mit verschiedenen Wärmeerzeugungssystemen, aber auch die positiven Eigenschaften zur Kühlung von Gebäuden. Durch die Nutzung von niedrigen Systemtemperaturen ergaben sich insbesonders Vorteile bei der Verwendung von Gas- und Öl-Brennwert-Wärmeerzeugern sowie Niedertemperatur-Wärmepumpensystemen.

Mit diesen Erkenntnissen erfolgte Anfang des neuen Jahrtausends schlussendlich der logische Brückenschlag zur höchst effizienten Nutzung der Solarthermie. Aus dem bereits erwähnten Projekt der EZA Fairer Handel GmbH entwickelte sich aufgrund der konsequenten Datenauswertung und der damit gewonnenen Sicherheit das im Jahr 2007 umgesetzte Projekt Betriebsgebäude Selmer Objekteinrichtungen (ursprünglich BOAS electronics). Seit 2008 wird dieses Gebäude in Passivhausstandard mit einer thermischen Solaranlage im Ausmaß von 35 m2 in Verbindung mit 150 m3 aktivierter Speichermasse vollsolar beheizt. Die hohe Behaglichkeit für die Mitarbeiter sowie die extreme Wirtschaftlichkeit (keine Energiekosten für die Beheizung des Gebäudes mit einer Bruttogeschoßfläche von 650 m2) motivierten den Eigentümer schon nach zwei Betriebsjahren, das neu zu errichtende Ausstellungsgebäude für Objekteinrichtungen mit derselben Technik herstellen zu lassen.

Die positiven Erfahrungen aus diesem Projekt veranlassten den damaligen Energielandesrat Sepp Eisl, dieses richtungsweisende System auch in den Landwirtschaftlichen Fachschulen – Tischlerei-Lehrwerkstätten Bruck/Glstr. und Salzburg/Kleßheim umsetzen zu lassen. Mittlerweile hat sich das System der vollsolaren Beheizung in nahezu 30 verschiedenen Objekten bewährt. Exemplarisch dafür stehen die ausgewählten näher beschriebenen Projekte.